Pflege Bahr Pflegereport 2012 Barmer GEK  Telefon: 0621-45 46 50 2
Hier klicken: Neu - das gibt es nur hier, die Alternative zum Pflege Bahr mit dem 150 Krankheiten-Check: 20 Normaltarife und 14 Pflege Bahr Tarife im Vergleich!.



Startseite
Pflegeversicherung

Auf was kommt es an bei einer Pflegetagegeld
versicherung?

Checkliste Pflege-zusatzversicherung

Neu! Pflegekostenrechner
mit Bedarfsrechner und Anbietervergleich in einem Rechner.

Die gesetzliche  Pflegeversicherung

Was leistet die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die drei Pflegestufen
I, II, III

Impressum

Typen Vergleich Pflegetagegeld


Pflege Bahr Versicherung Pflegeversicherung

Unisextarif

Riester Pflege

Pflege Bahr Allianz

Pflege Bahr DKV

Pflege Bahr BBKK
UKV

Pflege Bahr AXA DBV

Rechner 1 GEPV
Berechnen Sie jetzt die geförderte Pflegeversicherung

Rechner 2
Finanztest Testsieger HanseMerkur PA und DFV PZV
33 Tarife im Vergleich

GEPV geförderte ergänzende Pflegeversicherung

Pflegereport 2012 Barmer GEK
Aktuelle Pflegereform: „Pflege-Bahr

• „Pflege-Bahr" trägt nicht substantiell zur Lösung des
Finanzierungsproblems bei
- Kurzfristig geht die Regierung von weniger als 2 Mio. Verträgen aus
- Auch mittel- und langfristig dürfte die Zahl der Nutzer im einstelligen
Millionenbereich bleiben
• „Pflege-Bahr
" führt zur Umverteilung von unten nach oben
- Versicherung wird vor allem von einkommensstärkeren Haushalten
nachgefragt werden (so bisher bei Riester-Rente und
Pflegezusatzversicherung)
- Einkommensschwache Haushalte finanzieren die steuerliche
Förderung für die einkommensstarken mit.
- Pauschalprämien führen im Vergleich zu einkommensabhängigen
Beiträgen zur inversen Umverteilung.
I.2 Aktuelle Pflegereform: „Pflege-Bahr" (2/2)
• „Pflege-Bahr" ist nicht nachhaltig kalkulierbar
- Freiwillige Versicherungen ohne risikobezogene Tarifierung ziehen
verstärkt schlechte Risiken an (adverse Selektion)
a Tarife müssen das berücksichtigen
- Wegen der Existenz nicht geförderter Tarife können die Prämien nur
einen Risikozuschlag von weniger als 5 Euro enthalten
- Die Karenzzeit verdeckt die Unterfinanzierung für 5-10 Jahre
• „Pflege-Bahr
" kann zu Legitimation fehlender Dynamisierung
in der Sozialen Pflegeversicherung genutzt werden
- Leistungsdynamisierung ist notwendig, um Kaufkraft des
Teilkaskosystems zu erhalten
- In der Vergangenheit: unzureichende Leistungsdynamisierung
- Im PNG kein Hinweis auf Pläne zur Leistungsdynamisierung ab 2014
- Pflege-Bahr könnte Aussetzen der Dynamisierung begründen

„Pflege-Bahr" löst Finanzierungsprobleme nicht, ist zum Scheitern verurteilt und gefährdet
die Weiterentwicklung der Sozialen Pflegeversicherung
Mit der steuerlichen Förderung freiwilliger privater Pflegezusatzversicherungen („Pflege-Bahr") will die
Bundesregierung den zunehmenden Belastungen aufgrund des demographischen Wandels entgegentreten.
Diese kann zur Finanzierungsproblematik aber schon allein deshalb keinen nennenswerten
Beitrag liefern, weil nur eine kleine Minderheit der Bundesbürger eine derartige Versicherung abschließen
wird. Selbst die Bundesregierung geht in ihrer Finanzplanung nur von weniger als 2 Millionen
Versicherungsverträgen aus. Damit ist der Pflege-Bahr kein geeignetes Instrument, um die
Eigenanteile der Pflegekosten zu reduzieren. Dies kann nur in einem obligatorischen System gelingen.
Ziel muss es daher sein, durch ausreichende Dynamisierung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung
dafür zu sorgen, dass die Eigenanteile nicht noch weiter steigen.
Nach bisherigen Erfahrungen werden vor allem einkommensstärkere Haushalte eine Zusatzversicherung
abschließen, so dass einkommensschwächere Haushalte, die keine derartige Versicherung abschließen,
mit ihren Steuerzahlungen die steuerliche Förderung der einkommensstärkeren Haushalte,
die eine solche Versicherung abschließen, finanzieren und es so zu einer sozialstaatlichen Umverteilung
von unten nach oben kommt. Benachteiligt werden auch die pflegenahen Jahrgänge, weil sie
aufgrund der Karenzzeit von fünf Jahren nicht in den Genuss der Leistungen kommen können.
Darüber hinaus bestehen aber erhebliche Zweifel darüber, dass ein funktionierender Versicherungsmarkt
für die zulagengeförderte privater Pflegezusatzversicherung langfristig zustande kommt. Eine
freiwillige Versicherung, bei der risikoabhängige Versicherungsprämien gesetzlich ausgeschlossen
sind, muss nämlich mit adverser Selektion rechnen. Da eine Gesundheitsprüfung beim „Pflege-Bahr"
ausgeschlossen ist, sind diese Produkte insbesondere für „schlechte Risiken" interessant, die bisher
keine (nicht geförderte) private Pflegezusatzversicherung abschließen konnten. In Antizipation des
sen muss das Versicherungsunternehmen entsprechend höhere Prämien fordern, die dann aber nicht
nur gute Risiken weiter abschrecken, sondern diesen Markt vollständig zusammenbrechen lassen,
sobald die geförderten Produkte um monatlich mehr als 5 € teurer sind als die nicht geförderten und
die staatliche Förderung so überkompensiert wird. Werden die Prämien aber so günstig kalkuliert,
dass die Prämiendifferenz zu den bisherigen Produkten weniger als 5 Euro beträgt, fällt dies aufgrund
der Karenzzeit in den ersten 5-10 Jahren nicht auf. Erst danach zeigt sich, dass die Tarife unter
Zuhilfenahme zu günstiger Risikoprofile berechnet sind und die Prämien angehoben werden müssen.
Dann sind die Versicherten, die schon seit vielen Jahren eingezahlt und Altersrückstellungen gebildet
haben, aber „gefangen". Viele Internetplattformen raten daher zu recht vom Abschluss einer solchen
Versicherung ab.
Eine weitere große Gefahr besteht darin, dass mit Hinweis auf den „Pflege-Bahr" auf eine angemessene
Dynamisierung der Sozialen Pflegeversicherung verzichtet und so eine Aushöhlung dieses
Sozialversicherungszweigs legitimiert wird. Die fehlende Thematisierung der Leistungsdynamisierung
im PNG ist diesbezüglich besorgniserregend.
Pflege-Bahr wenig hilfreich
Um Vorsorge für die beträchtlichen privaten Aufwendungen in der Pflege zu treffen, kann
eine Zusatzversicherung durchaus nützlich sein. Allerdings müssen solche Versicherungen
sozial ausgestaltet werden, damit auch Menschen mit geringem Einkommen von einer
solchen ergänzenden Absicherung profitieren können.
Insofern erscheint der mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz eingeführte und sicherlich gut
gemeinte „Pflege-Bahr" leider wenig hilfreich. Eine staatliche Förderung von 60 Euro im Jahr
wirkt fast lächerlich. Zusatzversicherungen mögen für Reiche erschwinglich sein. Bürger mit
niedrigem Einkommen können sich solche Verträge auch mit einer Bahr-Förderung nicht
leisten. Zudem darf bezweifelt werden, ob angesichts der Rahmenvorgaben des
Gesetzgebers ein funktionierender Markt entstehen kann.
Vollversicherung in der Pflege?
Ist vielleicht die aktuell von Verdi ins Spiel gebrachte Pflege-Vollversicherung der Weisheit
letzter Schluss, um die privaten Kostenrisiken zu minimieren? Mit einem Beitragssatz von
3,25 Prozent eine Totalabsicherung des Pflegerisikos zu erreichen, klingt fast zu schön, um
wahr zu sein.
Bei näherer Betrachtung ergeben sich denn auch erhebliche Zweifel. Zunächst müssen die
Zahlen hinterfragt werden. Die Datenbasis von 2010 ist veraltet, Pflegedynamik und
Leistungsverbesserungen werden nicht berücksichtigt. Auch der angekündigte
Pflegebedürftigkeitsbegriff dürfte erhebliche Kostensteigerungen auslösen, so dass wohl mit
einem deutlich höheren Beitragssatz zu rechnen wäre.
Durchsichtig wirkt der durch die Vollversicherung erzeugte Verlagerungseffekt, wonach die
Pflegekosten von den steuerfinanzierten Sozialkassen der Kommunen auf die solidarisch
finanzierte Pflegeversicherung übergehen sollen - ein Verschiebebahnhof von drei
Milliarden Euro.
1. Kosten der Pflegebedürftigkeit
Mit dem „Pflege-Bahr" wird die Notwendigkeit privater Vorsorge bei Pflegebedürftigkeit seitens der
Regierung unterstrichen. Aber welche Kosten sind überhaupt abzusichern? Angaben über die Gesamtkosten,
die für Pflegebedürftigkeit von ihrem Eintritt bis zum Ende anfallen (Gesamtlebenszeitkosten),
liegen bislang für Deutschland nicht vor - weder für die Ausgaben der Pflegeversicherung,
noch für die privat zu tragenden Anteile. Erstmals werden in diesem Report entsprechende Daten
vorgelegt. Dafür wurden die Ausgaben von rd. 2000 Versicherten der ehemaligen GEK im Alter von
mindestens 60 Jahren seit ihrem Pflegeeintritt 2000 bis heute kumuliert. Für die bis 2011 Überlebenden
wurden die weiteren Lebensverlaufskosten modelliert und hinzugerechnet. Alle Angaben
wurden auf die Alters- und Geschlechtsverteilung der Bevölkerung in Deutschland des Jahres 2000
standardisiert. Dabei zeigt sich Folgendes:
• Die
Pflegeversicherung übernimmt über den gesamten Lebensverlauf Kosten von durchschnittlich
21.000 Euro bei Männern bzw. 39.000 Euro bei Frauen (arithmetisches Mittel). Allerdings
sind diese Ausgabenhöhen sehr ungleich verteilt. Für die Hälfte aller Männer
(Frauen) betragen die Kosten bis zu 8.200 Euro (Männer) bzw. 22.300 Euro (Frauen) (Median).
Die Schiefe dieser Verteilung zeigt sich besonders gut, wenn auf die Ränder der Verteilung
geguckt wird. Für die 10 % der Versicherten mit den höchsten Ausgaben werden mindestens
85 000. Euro ausgegeben, für die 10 % mit den niedrigsten Kosten nur gut 1,000
Euro. Die Angabe des Mittelwertes alleine kann daher zu Fehlinterpretationen führen.
• Ebenso ungleich verteilt sind die
privat zu tragenden Kosten der Pflegebedürftigkeit. Sie
belaufen sich bei den Männern auf durchschnittlich 21.000 und bei den Frauen auf durchschnittlich
45.000 Euro. Dabei entfallen mehr als 80 % auf die stationäre Versorgung. Für ein
Zehntel der Pflegebedürftigen entstehen allein im stationären Bereich Kosten von mehr als
99.000 Euro. Allerdings wird bei finanzieller Bedürftigkeit ein Teil dieser Kosten von der
Sozialhilfe getragen.
• Werden die privat zu tragenden Kosten und die Sozialversicherungsausgaben addiert, zeigt
sich, dass die
Gesamtlebenszeitkosten für Pflegebedürftigkeit bei durchschnittlich 42.000
Euro für Männer bzw. 84.000 Euro für Frauen liegen. Davon werden bei den Männern 43 %
und bei den Frauen 47 % von der Pflegeversicherung getragen, jeweils rd. 6,5 % von der Sozialhilfe,
so dass der verbleibende Eigenanteil an den Pflegekosten bei 43 % (Männer) bzw.
47 % (Frauen) liegt.
2. Pflegebedürftige verursachen erhebliche Kosten in der Krankenversicherung
Pflegebedürftige verursachen nicht nur Ausgaben in der Pflegeversicherung (SGB XI), sondern als
häufig multimorbide ältere Patienten auch erhebliche Ausgaben in der
Krankenversicherung (SGB V).
Die Mehrausgaben, die Pflegebedürftige im Vergleich zu Nicht-Pflegebedürftigen gleichen Alters und
Geschlechts verursachen, sind dabei erheblich. Hochgerechnet auf die Alters- und Geschlechtsverteilung
der Bevölkerung in Deutschland beliefen sie sich 2011 auf • 9,2 Mrd. Euro für Krankenhausleistungen,
• 3,6 Mrd. Euro für Arzneimittel,
• 1,1 Mrd. Euro für ärztliche Behandlung,
• 1,2 Mrd. Euro für Heilmittel,
• 1,6 Mrd. Euro für Hilfsmittel und
• 2,0 Mrd. Euro für häusliche Krankenpflege.
Insgesamt betragen diese Mehrausgaben damit 18,6 Mrd. Euro. Eine optimale Behandlung von Pflegebedürftigen
bietet damit auch Einsparpotentiale in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das zeigt
sich insbesondere im stationären Bereich, auf den knapp die Hälfte dieser Mehrausgaben entfällt.
Hier sind für Pflegebedürftige deutlich höhere Ausgaben für womöglich vermeidbare Krankenhausaufenthalten
aufgrund ausgewählter Diagnosen wie Sturzfolgen, Wunden, Ernährungsprobleme/
Mangelernährung, Dehydration, Dekubitus, Kontraktur, Harnwegsinfektion nach Blasenkatheter oder
Inkontinenz und Medikamentenfehler zu verzeichnen als für Nicht-Pflegebedürftige gleichen
Geschlechts und Alters.
3. „Pflege-Bahr" löst Finanzierungsprobleme nicht, ist zum Scheitern verurteilt und gefährdet
die Weiterentwicklung der Sozialen Pflegeversicherung
Mit der steuerlichen Förderung freiwilliger privater Pflegezusatzversicherungen („Pflege-Bahr") will die
Bundesregierung den zunehmenden Belastungen aufgrund des demographischen Wandels entgegentreten.
Diese kann zur Finanzierungsproblematik aber schon allein deshalb keinen nennenswerten
Beitrag liefern, weil nur eine kleine Minderheit der Bundesbürger eine derartige Versicherung abschließen
wird. Selbst die Bundesregierung geht in ihrer Finanzplanung nur von weniger als 2 Millionen
Versicherungsverträgen aus. Damit ist der Pflege-Bahr kein geeignetes Instrument, um die
Eigenanteile der Pflegekosten zu reduzieren. Dies kann nur in einem obligatorischen System gelingen.
Ziel muss es daher sein, durch ausreichende Dynamisierung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung
dafür zu sorgen, dass die Eigenanteile nicht noch weiter steigen.
Nach bisherigen Erfahrungen werden vor allem einkommensstärkere Haushalte eine Zusatzversicherung
abschließen, so dass einkommensschwächere Haushalte, die keine derartige Versicherung abschließen,
mit ihren Steuerzahlungen die steuerliche Förderung der einkommensstärkeren Haushalte,
die eine solche Versicherung abschließen, finanzieren und es so zu einer sozialstaatlichen Umverteilung
von unten nach oben kommt. Benachteiligt werden auch die pflegenahen Jahrgänge, weil sie
aufgrund der Karenzzeit von fünf Jahren nicht in den Genuss der Leistungen kommen können.
Darüber hinaus bestehen aber erhebliche Zweifel darüber, dass ein funktionierender Versicherungsmarkt
für die zulagengeförderte privater Pflegezusatzversicherung langfristig zustande kommt. Eine
freiwillige Versicherung, bei der risikoabhängige Versicherungsprämien gesetzlich ausgeschlossen
sind, muss nämlich mit adverser Selektion rechnen. Da eine Gesundheitsprüfung beim „Pflege-Bahr"
ausgeschlossen ist, sind diese Produkte insbesondere für „schlechte Risiken" interessant, die bisher
keine (nicht geförderte) private Pflegezusatzversicherung abschließen konnten. In Antizipation des
sen muss das Versicherungsunternehmen entsprechend höhere Prämien fordern, die dann aber nicht
nur gute Risiken weiter abschrecken, sondern diesen Markt vollständig zusammenbrechen lassen,
sobald die geförderten Produkte um monatlich mehr als 5 € teurer sind als die nicht geförderten und
die staatliche Förderung so überkompensiert wird. Werden die Prämien aber so günstig kalkuliert,
dass die Prämiendifferenz zu den bisherigen Produkten weniger als 5 Euro beträgt, fällt dies aufgrund
der Karenzzeit in den ersten 5-10 Jahren nicht auf. Erst danach zeigt sich, dass die Tarife unter
Zuhilfenahme zu günstiger Risikoprofile berechnet sind und die Prämien angehoben werden müssen.
Dann sind die Versicherten, die schon seit vielen Jahren eingezahlt und Altersrückstellungen gebildet
haben, aber „gefangen". Viele Internetplattformen raten daher zu recht vom Abschluss einer solchen
Versicherung ab.
Eine weitere große Gefahr besteht darin, dass mit Hinweis auf den „Pflege-Bahr" auf eine angemessene
Dynamisierung der Sozialen Pflegeversicherung verzichtet und so eine Aushöhlung dieses
Sozialversicherungszweigs legitimiert wird. Die fehlende Thematisierung der Leistungsdynamisierung
im PNG ist diesbezüglich besorgniserregend.
4. PNG kann fehlende Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs nicht ersetzen
Im Mai 2009 hat der Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs seinen Umsetzungsbericht
vorgelegt, der - ebenso wie der erste, bereits im Januar 2009 vorgelegte Bericht - einhellig begrüßt
wurde. Obwohl die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im September 2009
auch im Koalitionsvertrag festgelegt wurde, ist dann mehr als zwei Jahre nichts geschehen. Erst im
März 2012 wurde der Beirat erneut einberufen, während das gleichzeitig erarbeitete Pflege-Neuausrichtungsgesetz
(PNG) die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erst für die nächste
Reform ankündigt. „[B]is zum Inkrafttreten eines Gesetzes, das die Leistungsgewährung auf Grund
eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines entsprechenden Begutachtungsverfahrens regelt"
werden im PNG stattdessen im Rahmen einer „Übergangsregelung" neue Leistungen für Personen
mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz eingeführt (neu eingeführter § 123 SGB XI). Wenngleich
damit für diesen Personenkreis ab 2013 grundsätzlich begrüßenswerte Leistungsverbesserungen
vorgesehen sind, kann dies die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs nicht ersetzen.
Die neuen Leistungen werden nämlich ad hoc eingeführt und satteln unsystematisch
auf bereits
bestehenden Sonderleistungen nach §§ 45b und 87b SGB XI auf, ohne dass klar ist, in welchem
Umfang kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten damit hinreichend berücksichtigt
sind. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und das neue Begutachtungsassessment bieten dagegen
einen pflegewissenschaftlich fundierten Rahmen, in dem somatische und psychische Beeinträchtigungen
ausgewogen berücksichtigt werden und daher eine größere Verteilungsgerechtigkeit erreicht
werden kann. Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist somit nach wie vor notwendig.
Die stattdessen verabschiedete Übergangsregelung kann sich dagegen sogar als kontraproduktiv
erweisen, wenn die neu eingeführten Leistungen womöglich unter den Bestandsschutz fallen und damit
finanzielle Mittel binden, die für die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs benötigt werden.

LiveZilla Live Help