„Sei lieb zu Deinen Kindern, denn sie suchen Dein Pflegeheim aus." von Pflegekritiker Claus Fussek (Bundesverdienstkreuzträger)
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Quelle alzheimerforum.de

"Ausgemustert, ausgesondert, endgelagert"


Mit Claus Fussek sprach Werner Schulz

Der Sozialarbeiter Claus Fussek kämpft als Lobbyist für die Rechte der Alten und Pflegebedürftigen, engagiert, mutig - und absolut parteiisch


zivil: Herr Fussek, wenn man täglich, wie Sie, am Notruftelefon sitzt und Hilferufe von alten Menschen empfängt, kriegt man da Angst vor dem Altwerden?

Fussek: Ich kriege keine Angst vor dem Altwerden, aber Angst davor, pflegebedürftig zu werden. Wenn ich die jetzigen Versorgungsstrukturen sehe, die nur noch darauf ausgerichtet sind, dass Menschen irgendwie endgelagert werden, dann wird mir angst und bange. Ich hoffe aber auf Verbesserungen. Und hier neben dem Telefon habe ich an der Wand einen Spruch hängen, der mir sehr wichtig ist: "Sei lieb zu Deinen Kindern, denn sie suchen Dein Pflegeheim aus."

zivil: Sie werden neuerdings eingedeckt mit Hilferufen am Telefon, mit Bittschreiben, mit Beschreibungen von Missständen - das alles gab es vor Jahren in dieser Fülle nicht. Hat sich die Situation verschlechtert?

Fussek: Ich denke, die Situation ist schon lange sehr schlecht - nur hat es früher überhaupt niemanden interessiert. Seit etwa fünf Jahren, seit wir diese Lawine losgetreten haben, ist in Deutschland eine Diskussion zum Thema Pflege entstanden, wie es sie zuvor nie gab. Ein Beispiel: Ich forciere das Thema mit Mitstreitern und Mitkämpferinnen seit 20 Jahren. In 15 Jahren hatte ich etwa fünf Ordner mit Berichten über Missstände gesammelt. Innerhalb der letzten fünfeinhalb Jahre haben sich über 80 Aktenordner gefüllt!

zivil: Was sind denn die hauptsächlichen Anliegen, mit denen sich die Menschen bei Ihnen melden?

Fussek: Wir müssen feststellen - und das hat inzwischen auch der medizinische Dienst der Pflegekassen festgestellt - dass unter anderem die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr in bundesdeutschen Pflegeheimen weitgehend nicht mehr sichergestellt werden kann. Also nicht in Eritrea oder Afghanistan, die Rede ist von bundesdeutschen Pflegeheimen, mit Pflegesätzen, von drei- oder dreieinhalb Tausend Euro. Deshalb haben wir eine Liste zusammengestellt mit Minimalforderungen. Was wir erreichen müssen ist, dass die Menschen die Grundversorgung bekommen.



zivil: Stellen Sie in Zweifel, dass die Betroffenen diese Grundversorgung in den Heimen bekommen?

Fussek: Wie wollen zwei Pflegekräfte, häufig nicht einmal ausgebildet, häufig nicht einmal der deutschen Sprache mächtig, für 20 oder 30 schwerstpflegebedürftige Menschen sorgen? Eine Nachtwache für 70, zwei Nachtwachen für 130 Menschen? Das sind Zahlen aus dem Bundesgebiet.
Sie haben Pflegesituationen, die sind gespenstisch: Zivis, die am Wochenende mit einer Hilfskraft eine beschützende Sta-tion versorgen. Kriminell für das Personal! Und das seit Jahren, und jeder weiß es. Die Pflege ist weitgehend kollabiert, das ganze Thema wurde gesellschaftlich so verdrängt, dass wir inzwischen hier fast handlungsunfähig geworden sind.

zivil: Es geht also um ein strukturelles Problem, es sind nicht nur - wie man bei dem Begriff Nottelefon vermuten könnte - Einzelfälle, die schmerzen?

Fussek: So ist es - wir suchen nach ein paar weißen Schafen. Die positiven Beispiele, die wir bekommen, sind so selten. Und dann traut man sich kaum, sie zu veröffentlichen, weil der Heimleiter eines guten Hauses sich vor Bewerbungen von Pflegekräften kaum retten kann - aber dort kündigt keiner.
Natürlich treten Missstände nicht überall und nicht jeden Tag auf. Aber das ist kein Grund zur Beruhigung.
Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Wenn ich sage: Meine Frau wird von mir geschlagen, dann sagt jeder: Um Gottes Willen. Dann sage ich: Aber nur drei Mal im Monat! Und außerdem bin ich völlig überlastet. Warum redet niemand über die 27 Tage, an denen ich sie nicht schlage? Da wird doch jeder sagen: Hast Du noch alle Tassen im Schrank? Du darfst sie überhaupt nicht schlagen. Und in den Heimen? Ein Angehöriger stellt fest: Diese Frau liegt seit sechs Stunden in ihren Exkrementen. Ja, sagt die Heimleitung, aber nicht jeden Tag!
Das ist, wie wenn Sie im Reisezug feststellen, dass die Toiletten verstopft sind. Sie beschweren sich beim Schaffner und der sagt Ihnen: Gestern waren sie noch okay, also behaupten Sie nicht so pauschal, unsere Toiletten seien verstopft. So absurd!
Deshalb haben wir unsere Minimalstforderungen, und die wollen wir erreichen, und zwar jeden Tag; in jedem Pflegeheim: essen, trinken, zur Toilette gehen. Und das fordern wir nicht in Rumänien, sondern hier in Deutschland. Man muss sich klarmachen, dass in diesem Pflegesystem Milliarden Euro umgesetzt werden. Das bedeutet im Resümee für mich, nachdem ich das alles über Jahre verfolgt habe und mit unzähligen Menschen gesprochen habe - oft auch nach dem Motto: Herr Fussek, das bleibt aber unter uns - dass es offensichtlich inzwischen so weit ist, dass auch in dieser schlechten Pflege, dieser grottenschlechten Pflege, so viel Geld verdient wird, dass niemand ein echtes Interesse daran hat, etwas zu verbessern.

"Allianz des Schweigens"

zivil: Die Mitarbeiter in der Pflege müssen doch selbst ein Interesse daran haben, dass sie würdevoller und auch für sich selbst befriedigender mit diesen Menschen umgehen können.

Fussek: Das ist für mich ein Phänomen: Ich bin fassungslos, wie viele Pflegekräfte hier mitmachen. Ich bin allerdings optimistisch, dass immer mehr Pflegekräfte nicht mehr mitmachen können und wollen.

zivil: Sie sagen, die "machen mit". Vielleicht bewerten diese Leute aber die Situation ganz einfach völlig anders als Sie, weniger dramatisch und skandalös.

Fussek: Durchaus. Ich kriege ja auch Briefe von Pflegeprofis, die mir vorwerfen, ich würde den Berufszweig in den Schmutz ziehen, Drohbriefe, Anrufe usw. Aber die nehmen ab. Zunehmend kriege ich Anrufe, Faxe, Briefe von brillantem Personal, kritischem Personal, Pflegekräften, die mit einer sehr hohen Selbstachtung argumentieren und sagen: Ich will nicht mehr mitmachen!
Ich will Ihnen mal ein Zitat vorlesen aus einem Buch, das eine ehemalige Altenpflegerin geschrieben hat: "Ich habe ein System menschlicher Entwürdigung aufrecht erhalten und den Erhalt meines Arbeitsplatzes über die Menschenwürde gestellt." (siehe Buchtipps Seite 25) Das heißt, die Leute sagen: Jetzt kann, will und darf ich nicht mehr.

zivil: Das schreiben diese Mitarbeiter Ihnen - an die Öffentlichkeit dringt davon allerdings kaum etwas.

Fussek: Wir haben hier eine Allianz des Schweigens. Es ist eines der faszinierendsten gesellschafts- und sozialpolitischen Phänomene, wie diese Allianz funktioniert. Das sind ja nicht irgendwelche Hochsicherheitstrakte, wo niemand hinkommt, das sind ja halböffentliche Gebäude. Ärzte schweigen, Angehörige schweigen, das Pflegepersonal schweigt, Kirche schweigt.

zivil: Schweigen Sie, oder haben Sie einfach eine andere Sicht der Dinge: wo Sie etwa schon ein Problem sehen, können andere vielleicht sagen, das ist alles noch im Bereich des Tolerierbaren?

Fussek: Ja gut, es gibt natürlich viele Angehörige, die sehr lange schweigen, weil sie froh sind, einen Pflegeplatz zu haben. Es gibt viele Erben, die schweigen, weil sie - auch wenn es hart klingt - ihre Alten hier bequem entsorgt haben. Es gibt Pflegekräfte, die schweigen aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Es gibt Ärzte, die schweigen, weil sie sich fachlich völlig überfordert sehen. Krankenhäuser schweigen, weil sie an den Heimen verdienen, das sagen die mir auch. Sie gehen in ein Altenpflegeheim, kritisieren Druckstellen, Austrocknung, Magensonden, Dauerkatheter, dann sagen die: Ja, die kriegen wir alle aus den Krankenhäusern so geliefert. Herr Fussek, machen Sie doch mal was gegen die Krankenhäuser. Dann gehe ich in die Krankenhäuser, und da erzählt man mir die Geschichte umgekehrt: Die kommen alle so aus den Pflegeheimen.
Das heißt, wenn die Pflegefehler nicht auf dem Transport entstehen, was sehr unwahrscheinlich ist: Hier verdienen die Häuser aneinander. Formulierungen, über die ich noch vor fünf Jahren erschrocken wäre, die kriege ich heute ohne weiteres bestätigt. Mir sagen Ärzte klipp und klar: Herr Fussek, das ist ein Wirtschaftsfaktor, bei uns werden Betten abgebaut, wir leben unter anderem von den Einweisungen aus den Heimen.

"Pflege ist nicht markt- und börsentauglich"

zivil: Sie kümmern sich am Nottelefon um jeden Einzelfall, aber Ihr Hauptziel bleibt, die Strukturen zu ändern. Wo setzen Sie da den Hebel an?

Fussek: Das ist ein gigantisches Problem, wo man wirklich nur mittel- und langfristig arbeiten kann. In einzelnen Städten ist es gelungen, Beschwerde- und Anlaufstellen einzurichten mit kritischen Profis, wir haben Kontakt zu engagierten Journalisten, so dass wir in Einzelfällen Probleme lösen können.
Das Zweite ist: Wir müssen die Gesellschaft mit dem Problem konfrontieren. Die Politik dann auch, aber zuerst die Gesellschaft, denn die ist verantwortlich, weil sie dazu schweigt. Politiker sind an der Thematik überhaupt nicht interessiert, gleichgültig welcher Partei sie angehören. Das heißt, die Bevölkerung muss diese Problematik an die Politik herantragen. Wir müssen hier eine offene Diskussion führen.
Es geht um alte, pflegebedürftige Menschen, für die sich niemand mehr interessiert. Eine Personengruppe wird hier ausgemustert, ausgesondert, endgelagert. Ich sage das in dieser Deutlichkeit, weil ich keine andere Erklärung habe.

zivil: Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird zu Haue versorgt und es wird immer wieder behauptet, dass es dort zu sehr viel Gewalt kommt.

Fussek: Es herrscht sehr große Angst davor, jetzt auch noch dieses Fass zu öffnen. 80 % der Betroffenen werden zu Hause versorgt. Wenn wir in dieser Gesellschaft ganz offen über die katastrophale ambulante und stationäre Versorgung reden würden, dann entstünde ein dringender politischer Handlungsbedarf. Denken Sie an die Probleme BSE, Terror, Antisemitismus … Da aber keine Partei bereit ist, das Problem der Altenpflege aufzugreifen, werden die Dinge bagatellisiert und schöngeredet. Wo es um Arbeitsplätze in der Stahlindustrie oder um Bauern geht, kann man so nicht vorgehen, da ist eine riesige Lobby dahinter. Aber die Alten interessieren niemanden. Und die Berufsgruppe der Pflegekräfte ist die unpolitischste Berufsgruppe, die es gibt. Von dieser Seite ist wenig zu erwarten.
Und die Angehörigen sind oft buchstäblich am Ende ihrer Kräfte. Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Frau, die zu Hause ihren Ehemann versorgt. Die Frau steht 24 Stunden unter Strom. Sie kriegt keine bezahlbare Hilfe. Sie kann nicht fünf- oder sechstausend Euro hinlegen. Wer kann sich das leisten? Es geht ja nicht um vier Wochen, es geht oft um Jahre.
Diese Pflege ist der freien Marktwirtschaft übergeben worden. Hier herrschen die Gesetze und die Preise der freien Marktwirtschaft. Aber dieses "Produkt Pflege" ist für mich nicht markt- und börsentauglich. Ich darf dort Geld verdienen. Aber ich kann mich an diesem "Produkt" nicht bereichern.

"Wir haben die Zivis verheizt"

zivil: An dem "Produkt Pflege" arbeiten auch viele Zivildienstleistende mit. Wie sehen Sie deren Situation?

Fussek: Ich selbst bin anerkannter Kriegsdienstverweigerer und bin Gegner des Militärs. Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich eines Tages noch für den Erhalt der Wehrpflicht kämpfen würde, damit wir unsere Leute versorgen können.

zivil: Ohne Zivis geht es nicht?

Fussek: Ich habe zwei Seelen in meiner Brust. Ich kämpfe natürlich dafür, dass die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen nicht auf die Schultern der Zivildienstleistenden abgelegt wird. Die Realität sieht aber so aus, dass ich sagen muss: Ohne Zivis kollabiert das System.

zivil: Dabei sollten Zivis nur zusätzliche Hilfen sein, sie dürfen keine Stellen ersetzen.

Fussek: Das interessiert doch niemanden. Hat doch noch nie jemanden interessiert. Ich habe vor 25 Jahren Zivildienst gemacht, alleine Nachtwachen gemacht, das hat doch keinen interessiert. Das ist eine der größten Lügen dieses Sozialsystems, wenn man sagt: Zivildienst ist arbeitsplatzneutral. Das war er nie! Aber die Lüge hat sich mehr als ein Vierteljahrhundert gehalten. Es ist unglaublich. Ich kenne nicht eine einzige arbeitsplatzneutrale Zivildienststelle.

zivil: Pflege ist bei Zivis unbeliebt. Es gibt immer weniger, die sich dieses anstrengende Arbeitsfeld zutrauen.

Fussek: Wir haben die Zivildienstleistenden verheizt. Wir haben sie auf Planstellen gesetzt, wir haben sie völlig überfordert in der Pflege, wir haben sie allein gelassen, auch unsere Dienststelle, auch wir selber, und wir haben es so geschafft, dass viele sagten und sagen: Ich ziehe meinen Zivildienst durch, aber in die Pflege gehe ich nicht. Volkswirtschaftlich ein Irrsinn, was wir hier betrieben haben.
Auch die aktuelle politische Diskussion um den Zivildienst halte ich für absolut verlogen, allen voran dabei die Grünen, die hochrechnen, was der Zivildienst kostet und dann sagen, wenn wir den Zivildienst abschaffen, schicken wir mit dem eingesparten Geld die Langzeitarbeitslosen in die Pflege. Ich muss Ihnen sagen: Dann wird's pervers! Das ist absurd, zynisch und menschenverachtend.

zivil: Haben Sie Berichte von Zivis, die unter ihrer Arbeit in der Pflege leiden?

Fussek: Ich habe leider sehr wenig schriftliche Berichte von Zivis. Aber ich habe sehr viele Gespräche geführt. Eine Geschichte ist uns hier passiert: Wir hatten die Anfrage einer Frau, deren Mutter im Pflegeheim war. Sie fragte, ob nicht einmal einer unserer Zivis mit der Mutter in den Garten gehen könnte, sie sei ewig nicht im Garten gewesen. Das ist ein schöner Einsatz, dachten wir, und schickten einen Zivi hin. Am nächsten Tag kommt der wieder und sagt zu mir: Da geh ich nicht mehr hin! Was, Moment, wieso? So ein schöner Job, sage ich. Da saß er da, kriegte feuchte Augen und sagte: Ich pack' das nicht! Was packst Du nicht? In den Garten gehen? Er sagte: "Ich bin mit der Frau in den Garten gefahren - und sie hat geweint. Ich fragte, was passiert sei. Sie sagte mir, dass sie seit drei Wochen keine frischen Blumen mehr gesehen hätte, kein Vogelzwitschern gehört, keinen Lichtstrahl der Sonne erlebt."
Der hat sich geschämt. Und das war eines der harmloseren Erlebnisse. Der hat sich geschämt. Und wenn ich mir vorstelle, dass der im Heim oft alleine arbeiten muss, mit den verwirrten Menschen, dass er einer alten Frau, deren Enkel er sein könnte, die Windeln wechseln muss, dass er sich schämt, weil er merkt, wie die alte Frau sich schämt … dann ist das hier für mich unerträglich. Was wir hier mit den Zivis, mit den jungen Männern machen, das ist - ich sage es - kriminell!

zivil: So deutlich hört man das selten.

Fussek: Wir haben hier eine Verantwortung. Die Zivis sind ja ein Bestandteil dieser ganzen Pflegediskussion. Und ich kann nur über Ihre Zeitschrift die Zivis auffordern: Denkt an Euer eigenes Alter, denkt an Eure Eltern, macht den Mund auf. Ihr habt hier mit Verantwortung, wenn Ihr Dinge seht, die mit dem Grundgesetz, mit Eurem Gewissen nicht zu vereinbaren sind.
Ich kann nur hoffen, dass Zivis mit in den politischen Ring steigen und dass Ihre Zeitschrift haufenweise Leserbriefe kriegt.

zivil: In diesem Sinne, herzliche Dank, Herr Fussek, für das Gespräch.


Claus Fussek

Der Münchener Sozialpädagoge Claus Fussek kämpft seit mehr als 20 Jahren gegen Missstände in der Altenpflege. Am Notruftelefon organisiert er konkrete Hilfe für verzweifelte Menschen, steht Betroffenen, Angehörigen, aber auch mehr und mehr "ausgebrannten" Pflegekräften mit Rat und Tat zur Verfügung. Arbeitgeber ist die Münchener "Vereinigung Integrationsförderung", die sich in erster Linie um Menschen mit Behinderungen kümmert und sich für deren Eigenleben außerhalb von Anstaltsmauern einsetzt.
Durch zahlreiche Publikationen, durch politische Kampagnen und nicht zuletzt durch öffentliche Auftritte - zum Beispiel in der ZDF-Reihe "Endstation Pflege" im April/Mai diesen Jahres -hat sich Claus Fussek einen Namen als Anwalt und Lobbyist der Alten, der Verwirrten und der Pflegebedürftigen gemacht. Weil er selten ein Blatt vor den Mund nimmt, die Situation in der Altenpflege etwa als "größte Humankatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet oder von "sozialer Euthanasie" spricht, fehlt es ihm nicht an Gegnern, die ihn beschimpfen und bisweilen auch bedrohen. Nicht nur einmal, so gesteht er, hat er im Anschluss an Podiumsdiskussionen nach dem Hinterausgang des Saales gesucht.
Aber dem "Schreck der Heimträger" (Süddeutsche Zeitung) stehen auch prominente Fürsprecher zur Seite, wie etwa der Kabarettist Dieter Hildebrandt: "Ich kenne ihn schon lange. Irgendwann werde ich mit ihm in ein Heim gehen, weil ich dann sicher bin, dass ich mir nichts gefallen lassen muss."



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